Gestern sind wir vom kalten Norden in die Mitte Japans, d. h. nach Tokyo zurück gereist und haben für die über 1.200 km schlappe 10 Stunden benötigt. Unglücklicherweise hatte der Shinkansen unerwartet über eine Stunde Verspätung. Die Fahrt an sich war relativ unaufregend,
einmal abgesehen, daß wir wieder mit knapp 250 Sachen durch Japans Prärie düsten. Leider sind alle Reisfelder des Nordens in diesen Monaten noch braun und unbewässert. Auf einigen lag sogar noch Restschnee. Liebend gerne hätte ich Japans, oft terassenförmig angelegte, Reisfelder im Norden Honshus einmal grün aund bewässert gesehen.
Wir kamen dann etwas später mit einer anderen Sache auf unsere Kosten. Wir erlebten einen Sonnenuntergang wie man ihn eigentlich nur bei Peter Jackson zu sehen bekommt.

Es war allerdings alles andere als einfach aus einem superschnellen Shinkansen, dessen Pilot wegen der Verspätung ein schlechtes Gewissen zu haben schien, ein gutes Bild zu machen.
Abends gegen 20:00 Uhr kamen wir in Tokyo an und erlebten unerwartet aggresive Tokyoer. Wahrscheinlich kamen sie gerade von der Arbeit und gingen geradewegs zum alltäglichen Abendschoppen mit ihren Arbeitskollegen in die nächste Kneipe. Auf jeden Fall lief ein
Tokyoer Nicole in ihr europäisches Kinderrikscha (Size L) worauf sie ihm über den Fuß fuhr. Anstatt sich bei ihr zu entschuldigen brummte er sie in Toranaga-Manier an. Zum Unglück fuhr ich mit meinem Frauenrikscha (Size XL) etwas hinter Nicole und bekam die Szene nicht richtig mit.
Am nächsten Morgen, zum hanami fahrend, jenem Ereignis bei dem alle Kirschenbäume Japans ihre volle Blütenpracht präsentieren, zeigten sich in den U-Bahnen das übliche Bild: Japanische Geschäftsleute, die ein kurzes Nickerchen hielten und junge Japanerinnen, die auf ihren Handys das eine oder andere Spiel spielten. Fast glaube ich, daß der Begriff des Powernappings aus Tokyo stammt, denn wann immer wir in Tokyos U-Bahnen fuhren sahen wir gut gekleidete Japaner, die vor sich hindösten.
Im Ueno-Park angekommen und die volle weiße Pracht der Kirschbäume

genießend bemerkten wir, daß es zum Tokyoer Zoo nicht sehr weit war. Wenn es zwei Menschen gibt, die um die halbe Welt fliegen, um dann in einen Zoo zu gehen, dann sind das Nicole und ich, denn wir haben uns versprochen, solange zusammen zu bleiben, bis wir alle Zoos der Welt besichtigt haben. Damit uns die Zoos nicht ausgehen hat Nicole den Rahmen etwas erweitert und u. a. den Krüger- und Tsavo-Nationalpark kurzer Hand mit auf die Liste gesetzt.

Immerhin ist Tokyos Zoo der älteste Japan und bekannt für seine zwei Pandabären, die es von China geschenkt bekam. In einem früheren Blog schrieb ich, daß sich früh morgens ganz Japan in der U-Bahn befindet und daß die eine Hälfte in die U-Bahn ein-, die andere ausstieg. Das war ein Irrtum. Denn nur die Hälfte aller Tokyoer befinden sich morgens in den U-Bahnen. Die andere Hälfte befindet sich im Zoo. Das Gedränge im Zoo, insbesondere vor dem Gehege der Pandas war mörderisch und vor allem war es laut. Ich als Panda-(Bärle) hätte bei diesem Lärm niemals Schlaf finden können. Und wenn Pandas eines brauchen, dann einen gesunden Schlaf, damit sie endlich mal die dicken Augenringe los werden.

Auf einem Rundgang um eine fünf-stöckige Pagode holte mich dann mein Traum ein, denn plötzlich tauchten drei Gestalten auf, die uns am Weitergehen zu hindern drohten. Während ich stehen blieb (wie im Traum) kam von hinten Nicole an mir vorbei (jetzt kommt die Auflösung des Traumes). Sie stellte sich vor mich hin, ging etwas in die Kniee, fächerte ihre Arme etwas zu Seite und
rief: “Aber jetzt. Husch, husch zurück ins Körbchen!”.

Überhaupt erwies sich Tokyos Zoo, obschon im Reiseführer als triest beschrieben, als sehr gelungen. Die Planer geben sich sehr große Mühe, was die Größe und Ausstattung der Tiergehege angeht. Einige ältere Anlagen sind sicherlich überholungsbedürftig und unangemessen. Deutlich ist der Eifer zu sehen mit dem die Verantwortlichen den Zoo modernisieren. Das eine oder andere Mal wurden Erinnerungen an den Loro-Parque auf Teneriffa oder die Wilhelma in Stuttgart wach.
Nach dem Besuch der hanami und dem Zoo ging es heute noch weiter nach Osaka, über 550 Kilometer weiter Richtung Westen. Zum ersten Mal sahen wir dabei den Fuji-San, mit seinen knapp 4.000 Meter der höchste Vulkan (und Berg) Japans.

In Osaka angekommen – die Fahrt mit dem Shinkansen dauerte mit mehreren Stops 3 Stunden – es war bereits dunkel, präsentierte sich uns eine Millionenstadt, deren Skyline durch architektonisch abwechslungsreiche Formen und eindrucksvollen Illuminationen große Erwartungen für den morgigen Tag weckt. Osaka scheint nicht derart derb wie Tokyo, das mich persönlich lediglich durch seine Größe zu beeindrucken wußte. Osaka erscheint ganz anders. In dieser Stadt sprudelt das meiste Geld. Würde sich Osaka von Japan lossagen und Autonomie beanspruchen, wäre Osaka unter den zehn reichsten “Ländern” der Welt. Hier steckt, zumindest bei Nacht, protzige und dennoch majestätische Schönheit. Morgen machen wir zunächst einen Tagesausflug nach Himeji, zu Japans größter Samuraiburg und anschließend noch nach Hiroshima.
Aber jetzt wird es erst einmal Zeit, ins Körbchen zu gehen. Und zwar husch-husch, denn hier es inzwischen weit nach Mitternacht….